Unerklärliche oder sehr leicht entstehende Blutergüsse (Hämatome) können viele verschiedene Ursachen haben – von völlig harmlosen anatomischen Besonderheiten bis hin zu ernsthaften medizinischen Grunderkrankungen.
Häufige Ursachen für unerklärliche Blutergüsse
- Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel: Bestimmte Wirkstoffe beeinflussen die Blutgerinnung oder schwächen das Gewebe. Dazu gehören Blutverdünner (wie ASS/Aspirin, Marcumar, DOAKs), Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (wie Ibuprofen oder Diclofenac) sowie Kortisonpräparate. Auch hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel wie Omega-3-Fettsäuren oder Ginkgo können die Neigung erhöhen.
- Nährstoffmangel: Ein Mangel an Vitamin C schwächt die Kollagenbildung und damit die Stabilität der Blutgefäße (Kapillaren). Vitamin K ist essenziell für eine funktionierende Blutgerinnung.
- Hautbeschaffenheit und Alter: Mit zunehmendem Alter verliert die Haut an Elastizität und das schützende Unterhautfettgewebe baut sich ab, wodurch Blutgefäße schneller reißen. Manche Menschen haben zudem von Natur aus ein schwaches Bindegewebe oder eine sehr dünne Haut.
- Hormonelle Einflüsse: Östrogene beeinflussen die Gefäßelastizität. Hormonelle Schwankungen (z. B. durch die Pille, während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren) können die Anfälligkeit für blaue Flecken steigern.
- Blutgerinnungsstörungen: Entweder angeboren (wie das Von-Willebrand-Syndrom oder Hämophilie) oder erworben, beispielsweise durch Lebererkrankungen (da in der Leber die Gerinnungsfaktoren gebildet werden) oder eine verminderte Anzahl an Blutplättchen (Thrombozytopenie).
- Lipödem: Diese chronische, schmerzhafte Fettverteilungsstörung betrifft fast ausschließlich Frauen (meist an Beinen und Armen). Da das Gewebe dort stark druckempfindlich ist und die Kapillaren poröser sind, entstehen sehr leicht Hämatome.
Diagnostik und ärztliche Abklärung
Wenn Hämatome regelmäßig, großflächig oder völlig ohne Einwirkung auftreten, sollte dies medizinisch abgeklärt werden. Die wichtigste Untersuchung erfolgt über den Hausarzt mittels eines großen Blutbildes. Dabei werden unter anderem überprüft:
- Die Anzahl der Blutplättchen (Thrombozyten)
- Die Blutgerinnungswerte (z. B. Quick-Wert, INR, PTT, Thrombinzeit)
- Leber- und Nierenwerte sowie spezifische Vitaminspiegel
Behandlung und Linderung
Die Behandlung richtet sich ursächlich nach der Diagnose. Liegt kein medizinischer Notfall oder Mangel vor, können folgende Maßnahmen helfen:
- Akutversorgung bei frischen Flecken: Direkt nach einem Stoß hilft Kühlen (Kühlpack mit einem Tuch umwickelt), da sich die Gefäße dadurch zusammenziehen und weniger Blut ins Gewebe austritt. Das Hochlegen der betroffenen Extremität unterstützt dies.
- Förderung des Abbaus: Nach den ersten 24 Stunden kann milde Wärme (z. B. Wärmflasche) die Durchblutung anregen und den Abtransport des ausgetretenen Blutes beschleunigen.
- Äußerliche Anwendungen: Salben oder Gele mit Wirkstoffen wie Heparin oder Extrakte aus Arnika können den Heilungsprozess unterstützen.
- Anpassung der Medikation: Setzen Sie verschriebene Medikamente niemals eigenmächtig ab, sondern besprechen Sie eine sospektierte Nebenwirkung immer mit Ihrem behandelnden Arzt.
Wann sollten Sie besonders zeitnah zum Arzt gehen? Neben den unerklärlichen Flecken selbst sollten Sie auf Warnsignale wie häufiges Zahnfleisch- oder Nasenbluten, langanhaltende Blutungen nach kleineren Verletzungen oder Begleitsymptome wie unerklärliche Müdigkeit und Schwindel achten